Befesa AG der Umweltdienstleister setzt auf operative Exzellenz

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Das Unternehmen mit Sitz in Luxemburg hat sich auf das Recycling industrieller giftiger Reststoffe spezialisiert, die in der Stahl- und Aluminiumindustrie anfallen. Gleichzeitig bietet der Hidden Champion seinen Kunden alle notwendigen Logistikdienstleistungen und Entsorgungsbetätigungen an. Dieser ganzheitliche Ansatz, der vor allem von innovativen technischen Lösungen getragen wird, ist in Europa State of the Art.

Befesa Zinc Aser S.A. /Asua-Erandio in Spanien

Aus Reststoff wird Rohstoff, aus giftigem Abfall ungiftiger neuer Rohstoff – das klingt nach Alchemie und stofflichen Veränderungen. Ganz so mystisch sind die Recyclingprozesse bei Befesa zwar nicht, spannend und zukunftsweisend sind sie allemal. Worum geht’s im Einzelnen? Die Dienstleistungen des Unternehmens sind in den Geschäftsbereichen „Steel Dust Recycling Services“ und „Aluminium Salt Slag Recycling Services“ gebündelt. Damit ist klar, um welche Reststoffe es vor allem geht: Stahlstaub (Dust) und Salzschlacken (Salt Slag). Am Beispiel der Stahlstäube, die früher die Luft verschmutzten, lässt sich der Vorteil der Kreislaufwirtschaft sehr gut aufzeigen.

Multirecycling erhöht die nachhaltige Ressourcennutzung

Befesa bezieht die Stahlstäube von Elektrostahlwerken, die Schrott einschmelzen und daraus neuen Stahl gewinnen. Der Schrott besteht übrigens zu 80 Prozent aus alten Autos. Also auch hier wird bereits recycelt, so dass Befesa der Recycler für den Recycler ist. Der Service des deutsch-spanischen Dienstleisters ist für die Betreiber der Elektrostahlöfen die attraktivste Lösung. Statt kostenintensiver Sondermüllentsorgung der Stäube auf einer Deponie – mehr als 100 Euro pro Tonne – wird der schwermetallbelastete Stahlstaub für ein Drittel des Preises abgeholt und verarbeitet. Befesa hat ein zertifiziertes Verfahren entwickelt, dass den Stahlwerkstaub nachhaltig recycelt. Dabei wird als wichtigstes Produkt Zink extrahiert, das als Zinkoxid verkauft wird.

Das Leichtmetall ist ein begehrter Rohstoff, der vor allem als Korrosionsschutz Furore macht. Allein in der Automobilindustrie ist Zink in 100 verschiedenen Fahrzeugkomponenten zu finden, vom Rostschutz für die Karosserie über Druckgussteile bis hin zu Reifengummis. Rund zehn Kilogramm des unedlen Metalls sind im Schnitt in einem Pkw verbaut (Quelle: International Zinc Association). Und die Einsatzmöglichkeiten des smarten Metalls sind vielfältig. Hinzu kommt, dass Zink beim Schmelzen nichts an Qualität einbüßt, so dass sich der Recyclingvorgang endlos wiederholen lässt. Damit ist nachvollziehbar, warum die Zinkrückgewinnung das ertragsintensivste Geschäftsfeld der Befesa AG ist.

Wiederverwertung und Kundenservice

Elektrostahlproduktion

2018 hat Befesa 720 Tausend Tonnen Stahlstaub in seinen Anlagen recycelt und daraus 135 Tausend Tonnen Zink extrahiert. Die verbleibenden 585 Tonnen bestehen aus anderen Nebenprodukten, die ebenfalls neu verwendet werden können. Diese Reststoffe sind ungiftig und lagerbar und können zum Beispiel für den Straßenbau genutzt oder, wie bei der Hafenerweiterung in Bilbao, als Füllstoff eingesetzt werden und kommen als neuer Rohstoff in der Zement- und Ziegelindustrie zum Einsatz. Multirecycling ist für die nachhaltige Ressourcennutzung von großer Bedeutung und sichert dem Umweltdienstleister hohe Margen. Doch das Geschäft mit giftigen Industriereststoffen ist anspruchsvoll. Befesa beherrscht die Prozesstechnologie wie kein zweites Unternehmen in Europa – ein Alleinstellungsmerkmal, das langfristige Kundenbindungen nach sich zieht. Im Fokus des Marktführers steht der Service für seine Kunden. Dafür werden die Mitarbeitenden regelmäßig geschult und Partnerbetriebe auf Einhaltung der Corporate Governance Regeln eingeschworen. Befesa sieht sich den Umwelt-, Gesundheits- und Sicherheitsstandards verpflichtet. Ihre Managementsysteme sind nach international anerkannten Normen zertifiziert.

Klimawandel und Nachhaltigkeit als Wachstumstreiber

Das Geschäftsmodell Recycling ist zwar gelebter Umweltschutz, doch kein Grund sich zurückzulehnen. Nachhaltigkeit ist umfassender und da gibt es auch bei Befesa Luft nach oben. Bei der Zinkproduktion aber auch dem Recycling von Aluminiumschrott wird die Umwelt belastet. Auch diese Bilanz gilt es stetig zu verbessern und transparenter zu kommunizieren. Im Zuge des Klimawandels erwarten auch die Aktionäre mehr Nachhaltigkeit. Eine Herausforderung, der sich die im Frankfurter SDAX gelistete Gesellschaft gern stellt. Befesa fühlt sich der Energie- und Ressourceneffizienz und der Senkung der Treibhausgasemissionen verpflichtet. Ein großes Thema des Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagements ist auch Arbeitssicherheit. Monatliche Monitorings sollen das Unfallrisiko so gering wie möglich halten. Außerdem hat sich das Recyclingunternehmen fünf der 17 UN-Ziele für eine nachhaltige Entwicklung ins Portfolio gelegt, aus denen Unternehmensziele abgeleitet werden. Auch das geschieht im Schulterschluss mit den Kunden aus der Stahl- und Aluminiumindustrie. Um die europäischen Klimaziele einzuhalten und wettbewerbsfähig zu bleiben, muss sich die Branche neu erfinden und arbeitet an Lösungen, um ab 2050 ohne fossile Brennstoffe auszukommen. Der Weg zum grünen Stahl ist kostenintensiv aber zukunftsweisend.

Wachstumsmarkt Fernost

Derweil spielt die Musik am lautesten in China. Das Reich der Mitte ist die Werkbank der Welt und eine Stahl-Supermacht. Der Aufstieg ging einher mit dem Raubbau an der Natur. Seit Anfang 2018 versucht Peking mit strengen Umweltauflagen der enormen Verschmutzung von Luft, Wasser und Erdreich Herr zu werden. Industrieunternehmen, die gegen die Vorgaben verstoßen, werden bestraft oder geschlossen. Auch die Stahlwerke müssen jetzt ihre Stahlstäube fachgerecht entsorgen. Für den Umweltdienstleister Befesa ist China damit der Markt mit dem derzeit größten Wachstumspotential. Die Expansion läuft. Im April 2019 hat Befesa den Bau der ersten Recyclinganlage in Jiangsu begonnen und erwartet eine Bauzeit von weniger als eineinhalb Jahren. Eine zweite soll im ersten Halbjahr 2020 in Betrieb genommen werden. Und das ist nur der Anfang: Befesa sieht in China ein Marktpotential für insgesamt 40 bis 50 Anlagen.

Konjunktursorgen treiben den Stahlindustriedienstleister nicht um. Fahrzeugschrott ist vorhanden, fällt immer wieder neu an und solange Zinkkomponenten in Pkw verbaut werden, hat der Recycler und Zinkoxidproduzent volle Auftragsbücher.

Branche: Recycling / Gegründet: 1987 / Mitarbeitende: ca. 1130 / Aktienkurs: (https://www.finanzen.net/aktien/befesa-aktie)

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