Interview mit Oliver N. Hagedorn Entscheidend ist das große Geld

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„Nachhaltigkeit gibt es nicht umsonst, es bedarf einer Menge Anstrengung.“

Oliver N. Hagedorn ist Gründer und seit 2003 Vorstand der avesco Financial Services AG. Als Co-Founder von Die Brückenköpfe engagiert sich der Entrepreneur u.a. auch für ein nachhaltiges Gesundheitssystem.

Herr Hagedorn, Sie sind Vorstandssprecher der avesco Financial Services AG und ein Unternehmer mit gesellschaftlichen Visionen. Was bedeutet das für Sie?

HAGEDORN: Ich bin davon überzeugt, dass eine bessere Welt im Sinne der Sustainable Development Goals der UN nur unternehmerisch möglich ist. Es gibt eine Vielzahl von Aktivitäten, die ökologisch und sozial wertvollen Impact erzeugen – aber das alleine wird nicht reichen. Entscheidend ist, das große Geld in nachhaltige Geschäftsmodelle zu bewegen.

Das aber liegt bei den großen Konzernen und in der Finanzindustrie. Wie wollen Sie da rankommen?

HAGEDORN: Und bei Stiftungen und Hochvermögenden. Wir müssen es umleiten und die Voraussetzungen dafür sind derzeit gut. Nachhaltigkeit und Impact sind in aller Munde. Institutionelle Anleger wie zum Beispiel Versicherer oder Stiftungen investieren zunehmend in Geldanlagen, die nachhaltig ausgerichtet sind. Der politische und gesellschaftliche Wille unterstützt diese Entwicklung. Aber es gibt auch Hürden wie zum Beispiel der Mangel an Beratern mit der notwendigen Expertise, Ratings und transparenten Produkten, die Nachhaltigkeit für Anleger erfahrbar machen.

Und wie können diese Defizite beseitigt werden?

HAGEDORN: Ein Industriestandard für Nachhaltigkeit vergleichbar einem Kreditrating wäre hilfreich und die Bereitschaft von Anlegern, Nachhaltigkeit angemessen zu vergüten. Nachhaltigkeit gibt es nicht umsonst, es bedarf einer Menge Anstrengung. Unternehmen müssen ihr Geschäftsmodell im Kontext der Aspekte Ökonomie, Ökologie, Soziales und Ethik verbessern und Analysehäuser das Zusammenwirken der Aspekte erkennen und Geschäftsmodelle ganzheitlich und zukunftsorientiert bewerten. Das kostet erstmal Geld, zahlt sich aber langfristig aus. Wenn letzteres sichtbar wird, bin ich zuversichtlich, dass Anleger ihre Mittel im großen Stil in nachhaltige Geschäftsmodelle umleiten.

Warum ist ein anerkannter Industriestandard so wichtig?

HAGEDORN: Besonders institutionelle Investoren benötigen einen belastbaren Referenzrahmen für ihre Anlageentscheidungen. Schließlich tragen sie für die Altersvorsorge und die Zukunft von Millionen von Menschen Verantwortung. Da sollte schon klar sein, was wirklich nachhaltig ist.

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Was ist denn aus Ihrer Sicht nachhaltig?

HAGEDORN: Letztlich jedes Verhalten, das wir vernünftigerweise der Selbsterhaltung und der Verantwortung wegen an den Tag legen. Ganz pragmatisch sind es Tugenden, die dem gesunden Menschenverstand entsprechen, wie nicht auf Kosten anderer zu leben oder nichts zu vergeuden. Diese und weitere Verhaltensweisen stellen den Referenzrahmen der Nachhaltigkeit dar und sind Teil der Ö2SE-Methode, die wir aufbauend auf einer Studienarbeit an der TU München 2011 zusammen mit Prof. Liebig bei avesco entwickelt haben. Mittlerweile wurde die Nachhaltigkeit von mehr als 180 Hidden Champions untersucht, es ist eine eigenständige Ratinggesellschaft entstanden und wir haben den avesco Sustainable Hidden Champions Aktienfonds aufgelegt.

Welche Unternehmen sind das und wie funktioniert diese Analyse genau?

HAGEDORN: Das sind kleine und mittlere Unternehmen, eher unbekannte Kontinental- und Weltmarktführer mit einem B2B-Geschäftsmodell wie zum Beispiel Mayr-Meinhof Karton oder Uzin Utz. Das
Verfahren gleicht einer Entdeckungsreise, bei der das jeweilige Geschäftsmodell als Grundlage dient, und im Kontext der genannten Aspekte qualitativ analysiert wird. Im Kern geht es einerseits darum herauszufinden, ob ein Geschäftsmodell Aktivitäten betreibt, die dazu führen, dass noch nicht ausgeschöpfte Potenziale der Nachhaltigkeit genutzt werden. Andererseits geht es um die Frage, ob das Geschäftsmodell der ungleichen Verteilung von Ressourcen in der Gesellschaft entgegenwirkt. Diese Fragen werden auf die Aspekte Ökonomie, Ökologie, Soziales und Ethik angewendet und es entsteht ein ganzheitliches Bild vom Unternehmen und das Rating. Letzteres orientiert sich an der gelernten Bewertung von Energie-Effizienz, also von A+++ bis G. Rund 70 Unternehmen haben ein Rating von C oder besser bekommen, eines ist als bestes mit B++ bewertet worden. Diese Unternehmen haben wir in den Fonds Sustainable Hidden Champions Equity gebündelt.

Und springt das große Geld darauf an?

HAGDORN: Absolut. Im institutionellen Fonds verwalten wir 55 Millionen Euro von der Versicherung ,Die Bayerische’, im Publikumsfonds sind es bisher 4 Millionen Euro. Im Sinne einer lebenswerten Zukunft darf der Hebel aber sicher noch größer werden.

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